Island mit dem Wohnmobil zu bereisen bedeutet in der Praxis: viel Freiheit, hohe Kosten und ständig wechselndes Wetter. Ein einfacher Campervan kostet in der Hauptsaison rund 150 bis 250 Euro pro Tag, das Wildcampen ist seit 2015 gesetzlich verboten, und du übernachtest fast immer auf offiziellen Campingplätzen für 12 bis 20 Euro pro Person. Mit guter Planung funktioniert der Trip trotzdem zuverlässig.
Warum überhaupt Island mit dem Wohnmobil bereisen?
Ein Wohnmobil kombiniert Transport und Unterkunft, was auf einer Insel mit teuren Hotels ein echter Kostenvorteil ist. Du bist unabhängig von Buchungen und kannst deine Route nach Wetter und Licht ausrichten.
Gerade entlang der Ringstraße, der etwa 1.322 Kilometer langen Hauptverbindungsstraße rund um die Insel, spielt diese Flexibilität ihre Stärke aus. Wer morgens Sonne über einem Fjord sieht, fährt einfach los, statt an einen gebuchten Ort gebunden zu sein.
Die Kehrseite: Du trägst dein Zuhause auf schmalen Straßen durch teils raues Wetter. Wer damit rechnet, hat mehr Freude als jemand, der eine reine Komfortreise erwartet.
Was kostet Island mit dem Wohnmobil wirklich?
Rechne in der Hauptsaison (Juni bis August) mit 150 bis 250 Euro pro Tag allein für den Camper, plus Sprit, Campingplätze und Verpflegung. Eine zweiwöchige Reise landet für zwei Personen schnell bei 3.500 bis 5.000 Euro.
Der größte Einzelposten neben der Miete ist der Kraftstoff. Diesel und Benzin kosten in Island deutlich mehr als in Deutschland, und ein größeres Wohnmobil verbraucht auf der Ringstraße gut und gern 10 bis 14 Liter pro 100 Kilometer.
Meine Erfahrung: Ein kompakter Campervan mit Küchenbox ist günstiger und wendiger als ein großes Wohnmobil. Für Paare reicht er völlig, für Familien wird es eng.
| Kostenpunkt | Campervan (klein) | Wohnmobil (groß) |
|---|---|---|
| Miete pro Tag (Hauptsaison) | 90–140 € | 150–250 € |
| Verbrauch pro 100 km | 7–9 Liter | 10–14 Liter |
| Campingplatz pro Person | 12–20 € | 12–20 € |
| Empfehlung für | Paare, Alleinreisende | Familien, Komfort |
Wo darf ich mit dem Wohnmobil in Island übernachten?
Übernachten darfst du fast ausschließlich auf offiziellen Campingplätzen. Das freie Stehen in der Natur ist seit einer Gesetzesänderung 2015 für motorisierte Fahrzeuge verboten, unabhängig davon, ob das Grundstück privat oder öffentlich ist.
Island hat rund 170 registrierte Campingplätze, viele davon mit Strom, Duschen und Küchenbereich. In der Hauptsaison sind sie geöffnet, im Winter nur ein Bruchteil. Eine offizielle Übersicht findest du beim isländischen Tourismusverband auf visiticeland.com.
Praktisch ist die App und Karte tjalda.is, die Plätze mit Ausstattung und Öffnungszeiten listet. Plane abends nicht zu lange, denn der nächste offene Platz kann 40 Kilometer entfernt liegen.
Was gilt beim Wildcampen?
Wildcampen ist mit Wohnmobil, Campervan oder Anhänger grundsätzlich verboten und wird mit Bußgeldern geahndet. Die Regelung soll die empfindliche isländische Vegetation schützen, die sich nach Schäden nur sehr langsam erholt.
Wann ist die beste Reisezeit für den Camper-Trip?
Die praktikabelste Zeit ist Juni bis August, weil dann alle Campingplätze geöffnet sind, die Straßen frei und die Nächte hell sind. Der Preis dafür ist Hochsaison mit vollen Plätzen an bekannten Orten.
Im Juni erlebst du die Mitternachtssonne, bei der es faktisch nicht dunkel wird. Das verlängert deine Fahrtage enorm, kann aber den Schlaf im Camper stören, wenn die Fenster keine ausreichende Verdunklung haben.
Wer Nordlichter sehen will, muss in den September oder später reisen, akzeptiert dann aber weniger offene Plätze und mehr Wetterrisiko. Für eine erste Islandreise mit dem Wohnmobil ist der Sommer die sicherste Wahl.
Welche Route eignet sich für Anfänger?
Für Einsteiger ist die komplette Ringstraße im Uhrzeigersinn die verlässlichste Route, weil sie asphaltiert ist und die meisten Highlights verbindet. Plane dafür mindestens 8 bis 10 Tage ein, damit die Tagesetappen unter 250 Kilometern bleiben.
Wenn du weniger Zeit hast, konzentriere dich auf den Süden. Wie du eine kompakte Route strukturierst, zeigt der Beitrag zum Thema island rundreise 7 tage planen mit konkreten Etappen und Kosten.
Unterwegs liegen zahlreiche Highlights direkt an der Strecke. Eine Übersicht der lohnendsten Ziele findest du unter schönste Wasserfälle Island, die sich fast alle gut mit dem Camper anfahren lassen.
Sollte ich Hochlandpisten befahren?
Die sogenannten F-Straßen ins Hochland sind nur mit Allradfahrzeugen erlaubt und für die meisten Standard-Campervans tabu. Sie enthalten oft Furten, also Flussdurchquerungen ohne Brücke, die einen normalen Camper beschädigen und deinen Versicherungsschutz aushebeln.
Worauf muss ich bei Wetter und Fahren achten?
Der isländische Wind ist das größte praktische Risiko für Wohnmobile. Böen von über 20 Metern pro Sekunde können Türen aus den Scharnieren reißen, deshalb halte die Wagentür beim Öffnen immer fest.
Prüfe täglich die offizielle Wettervorhersage der isländischen Wetterbehörde auf vedur.is und die Straßenlage auf road.is. Beide Seiten sind auf Englisch verfügbar und werden mehrmals täglich aktualisiert.
Zusätzliche Praxishinweise zum Fahren, Tanken und zu Versicherungen habe ich im Beitrag island ringstraße mietwagen tipps gesammelt, die sich fast vollständig auf Camper übertragen lassen.
Duschen, Kochen, Alltag: Wie lebt es sich im Camper?
Der Alltag im Camper pendelt zwischen Campingplatz-Infrastruktur und Selbstversorgung. Die meisten Plätze haben Warmwasserduschen, teils gegen Aufpreis von 400 bis 700 Isländischen Kronen.
Gekocht wird auf einer Gaskochstelle, entweder im Van oder im überdachten Küchenbereich des Platzes. Einkaufen solltest du in den günstigen Supermärkten Bónus oder Krónan, da Restaurants in Island sehr teuer sind.
Ein warmes Highlight zwischendurch sind die Thermalbäder. Ob sich der bekannteste Vertreter lohnt, liest du unter blaue lagune island lohnt sich, doch auch viele kleine Ortsschwimmbäder sind eine günstige Alternative zum Aufwärmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Lohnt sich Island mit dem Wohnmobil finanziell?
Ein Wohnmobil spart Hotelkosten, ist aber kein günstiger Urlaub. In der Hauptsaison zahlst du 150 bis 250 Euro pro Tag für einen größeren Camper plus Sprit und Campingplätze. Für zwei Personen ist ein kompakter Campervan meist die wirtschaftlichste Lösung, weil Miete und Verbrauch deutlich niedriger ausfallen als bei einem großen Reisemobil.
Darf man in Island mit dem Wohnmobil frei stehen?
Nein, das freie Stehen mit motorisierten Fahrzeugen ist seit 2015 verboten. Du übernachtest auf einem der rund 170 registrierten Campingplätze, die 12 bis 20 Euro pro Person kosten. Das Verbot schützt die empfindliche Vegetation, die sich nach Schäden nur sehr langsam erholt. Bei Verstößen drohen Bußgelder.
Welche Reisezeit ist für einen Camper-Trip am besten?
Juni bis August ist die praktikabelste Zeit, weil alle Campingplätze geöffnet sind, die Straßen frei und die Nächte hell. Der Juni bietet Mitternachtssonne, was lange Fahrtage ermöglicht. Wer Nordlichter sehen will, reist ab September, muss dann aber mit weniger offenen Plätzen und mehr Wetterrisiko rechnen.
Kann ich mit dem Wohnmobil ins Hochland fahren?
Standard-Campervans dürfen nicht auf die F-Straßen ins Hochland. Diese Pisten erfordern Allradfahrzeuge und enthalten oft Flussdurchquerungen ohne Brücke, die einen normalen Camper beschädigen. Fährst du unerlaubt eine F-Straße, erlischt in der Regel dein Versicherungsschutz. Für Anfänger ist die asphaltierte Ringstraße die richtige Wahl.
Wie hell ist es nachts im Camper?
Im Juni wird es in Island praktisch nicht dunkel, da die Mitternachtssonne rund um die Uhr für Licht sorgt. Das verlängert die Fahrtage, kann aber den Schlaf stören, wenn die Fenster keine ausreichende Verdunklung haben. Eine Schlafmaske oder ein Camper mit blickdichten Vorhängen hilft spürbar.
Fazit: Für wen sich der Camper-Trip lohnt
Island mit dem Wohnmobil belohnt alle, die Flexibilität über Komfort stellen und sich auf Wind, Regen und Selbstversorgung einlassen. Die Kosten sind hoch, aber der Gewinn an Unabhängigkeit auf der Ringstraße ist es wert.
Plane deine Route vorab, buche in der Hauptsaison früh und prüfe täglich Wetter und Straßenlage. Nutze die verlinkten Beiträge, um deine Etappen, Highlights und Kosten konkret durchzurechnen – dann steht deinem Island-Abenteuer nichts im Weg.