Natur-Sehenswürdigkeiten in Island: 12 Orte mit Anfahrt

Zu den wichtigsten Natur-Sehenswürdigkeiten in Island gehören der Nationalpark Þingvellir, das Geothermalgebiet Geysir, die Wasserfälle Gullfoss, Seljalandsfoss, Skógafoss und Dettifoss, der Strand Reynisfjara, Skaftafell, die Gletscherlagune Jökulsárlón, der See Mývatn, der Berg Kirkjufell und Landmannalaugar. Elf davon erreichst du mit einem normalen Mietwagen, Landmannalaugar nur im Sommer über F-Straßen.

Die Auswahl fällt trotzdem schwer. Island hat mehr Wasserfälle, Gletscher und Lavafelder, als in einen zweiwöchigen Urlaub passen, und viele Reisende unterschätzen die Entfernungen. Wer am ersten Tag den Golden Circle fährt und am zweiten Tag zur Gletscherlagune will, sitzt mehr im Auto als in der Natur. Ich habe die Natur-Sehenswürdigkeiten deshalb nach Regionen sortiert und zu jedem Ort notiert, wie weit er von Reykjavík entfernt liegt, wie lange der Fußweg ab Parkplatz dauert und in welcher Saison er zugänglich ist. Dazu kommen die typischen Fehler, die ich an diesen Orten immer wieder beobachte – vom falschen Schuhwerk am Seljalandsfoss bis zum Leichtsinn am Strand von Reynisfjara.

Welche Natur-Sehenswürdigkeiten in Island lohnen sich am meisten?

Am meisten lohnen sich Orte, die ohne großen Umweg an der Ringstraße oder am Golden Circle liegen und auch bei Regen und Wind beeindrucken. Die folgende Tabelle vergleicht die zwölf Natur-Sehenswürdigkeiten nach Region, Entfernung, Fußweg und Saison.

Ort Region Entfernung ab Reykjavík (ca.) Fußweg ab Parkplatz Zugang
Þingvellir Golden Circle 45 km 15–60 Min. ganzjährig
Geysir / Strokkur Golden Circle 105 km 5 Min. ganzjährig
Gullfoss Golden Circle 115 km 5–10 Min. ganzjährig
Seljalandsfoss Südküste 125 km 2 Min., Rundweg 15 Min. ganzjährig, Pfad im Winter oft gesperrt
Skógafoss Südküste 155 km 2 Min., Treppe 15 Min. ganzjährig
Reynisfjara Südküste 180 km 2 Min. ganzjährig
Skaftafell / Svartifoss Südosten 325 km ca. 45 Min. pro Richtung ganzjährig
Jökulsárlón Südosten 375 km 1 Min. ganzjährig
Mývatn Nordisland 485 km je nach Spot 5–60 Min. ganzjährig
Dettifoss Nordisland 530 km 15 Min. Sommer sicher, Winter oft gesperrt
Kirkjufell Snæfellsnes 180 km 5 Min. ganzjährig
Landmannalaugar Hochland 185 km je nach Wanderung nur Sommer, F-Straße

Die Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer, ermittelt mit einem gängigen Routenplaner; die Gehzeiten beruhen auf meinen eigenen Besuchen bei normalem Tempo. Für Nordisland lohnt sich ein Ausgangspunkt in Akureyri, für den Südosten eine Übernachtung bei Höfn oder Kirkjubæjarklaustur.

Was gehört zu den Natur-Sehenswürdigkeiten am Golden Circle?

Zum Golden Circle gehören der Nationalpark Þingvellir, das Geothermalgebiet Haukadalur mit Geysir und Strokkur sowie der Wasserfall Gullfoss. Der Golden Circle ist eine Tagesrundfahrt ab Reykjavík, die diese drei Orte über gut ausgebaute Straßen verbindet.

Þingvellir: zwischen zwei Kontinentalplatten

Þingvellir liegt in einem Grabenbruch, an dem die Nordamerikanische und die Eurasische Platte auseinanderdriften. Ein Grabenbruch ist eine abgesenkte Zone zwischen zwei Bruchkanten der Erdkruste. Laut Wikipedia wurde dort im Jahr 930 das isländische Parlament Althing gegründet, und seit 2004 gehört der Nationalpark zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mein Rat: Geh den Weg durch die Almannagjá-Schlucht bis zum Wasserfall Öxarárfoss, dafür reichen 30 bis 40 Minuten.

Geysir und Strokkur: heißes Wasser im Minutentakt

Ein Geysir ist eine heiße Quelle, die in Abständen eine Fontäne aus Wasser und Dampf ausstößt. Der namensgebende Große Geysir ist heute weitgehend ruhig, sein Nachbar Strokkur bricht dagegen alle paar Minuten aus. Stell dich mit dem Wind im Rücken auf, sonst bekommst du eine Dusche aus schwefelhaltigem Sprühnebel.

Gullfoss: zwei Stufen in eine Schlucht

Gullfoss stürzt in zwei Stufen in die Schlucht des Flusses Hvítá. Die untere Aussichtsplattform bringt dich so nah an das Wasser, dass Regenjacke und wasserdichte Hose Pflicht sind. Im Winter ist der untere Weg wegen Vereisung häufig gesperrt, die obere Plattform bleibt meist offen.

Welche Naturwunder liegen an der Südküste?

An der Südküste liegen die Wasserfälle Seljalandsfoss und Skógafoss sowie der schwarze Strand Reynisfjara, alle direkt an der Ringstraße. Diese Strecke ist die am stärksten besuchte Region Islands, deshalb lohnt sich ein Start vor 9 Uhr oder ein Besuch am Abend.

Seljalandsfoss: hinter den Wasserfall gehen

Seljalandsfoss fällt rund 60 Meter über eine Felskante, hinter der ein Pfad durch eine Felsnische führt. Der Weg ist nass und rutschig, Turnschuhe sind dort eine schlechte Wahl. Wie du anreist und wann der Pfad offen ist, steht in meinem Beitrag zum Seljalandsfoss und dem Pfad hinter dem Wasserfall. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt Gljúfrabúi, ein Wasserfall in einer engen Schlucht, den viele Besucher übersehen.

Skógafoss: Treppe mit Ausblick

Skógafoss ist rund 60 Meter hoch und etwa 25 Meter breit. Eine Treppe mit mehr als 500 Stufen führt auf die Abbruchkante, von wo der Wanderweg Fimmvörðuháls weiter ins Hochland beginnt. Schon die ersten zwei bis drei Kilometer flussaufwärts zeigen mehrere kleinere Wasserfälle, die kaum jemand besucht. Einen Überblick über weitere Fälle gibt mein Artikel Wasserfälle auf Island mit Lage, Zugang und Reisezeit.

Reynisfjara: schwarzer Sand, gefährliche Wellen

Reynisfjara ist ein Strand aus schwarzem Basaltsand mit Basaltsäulen und den Felsnadeln Reynisdrangar vor der Küste. Sneaker Waves sind unerwartet weit auflaufende Wellen, die Menschen von den Füßen reißen und ins Meer ziehen können. An diesem Strand sind dadurch bereits mehrere Besucher ums Leben gekommen. Halte mindestens 30 Meter Abstand zur Wasserlinie und dreh dem Meer nie den Rücken zu.

Was erwartet dich im Südosten rund um den Vatnajökull?

Im Südosten erwarten dich Gletscherzungen, die Wanderregion Skaftafell und die Gletscherlagune Jökulsárlón. Alle drei gehören zum Vatnajökull-Nationalpark, der laut der offiziellen Website des Vatnajökull-Nationalparks seit 2019 UNESCO-Weltnaturerbe ist.

Skaftafell und Svartifoss

Skaftafell ist ein Wandergebiet am Rand des Vatnajökull mit Wegen für jede Kondition. Der beliebteste Weg führt zum Svartifoss, einem Wasserfall, der von schwarzen Basaltsäulen eingerahmt ist; hin und zurück solltest du gut anderthalb Stunden einplanen. Gletscherwanderungen auf dem Svínafellsjökull sind nur mit zertifiziertem Guide und Steigeisen sinnvoll.

Jökulsárlón und Diamond Beach

Eine Gletscherlagune ist ein See, der sich vor einer zurückweichenden Gletscherzunge bildet und in dem abgebrochene Eisberge treiben. Jökulsárlón wird vom Breiðamerkurjökull gespeist und gilt als tiefster See Islands. Auf der anderen Seite der Ringstraße spült das Meer Eisbrocken an den schwarzen Strand, der als Diamond Beach bekannt ist. Bei Sonnenaufgang ist das Licht dort am schönsten und der Parkplatz noch leer.

Welche Natur-Sehenswürdigkeiten bietet Nordisland?

Nordisland bietet das Vulkangebiet am See Mývatn und den Wasserfall Dettifoss im Canyon Jökulsárgljúfur. Beide liegen weit von Reykjavík entfernt und passen am besten in eine Rundreise über die Ringstraße.

Mývatn: Pseudokrater, Lavafelder und Solfataren

Rund um den Mývatn liegen auf wenigen Kilometern sehr unterschiedliche Landschaften. Pseudokrater sind Krater, die entstehen, wenn Lava über feuchten Boden fließt und Dampfexplosionen auslöst; die bekanntesten liegen bei Skútustaðir. Das Lavalabyrinth Dimmuborgir und das Solfatarenfeld Hverir am Pass Námaskarð ergänzen den Tag. Eine Solfatare ist eine Austrittsstelle vulkanischer Gase, die nach Schwefel riecht und den Boden gelb und orange färbt.

Dettifoss: Wucht statt Höhe

Dettifoss gilt als einer der wasserreichsten Wasserfälle Europas und stürzt gut 40 Meter tief in den Canyon Jökulsárgljúfur. Die Westseite erreichst du über die asphaltierte Straße 862, die Ostseite über die Schotterstraße 864. Im Winter werden beide Zufahrten oft nicht geräumt, deshalb solltest du vor der Fahrt den Straßenzustand prüfen.

Lohnen sich Snæfellsnes und das Hochland?

Snæfellsnes und das Hochland lohnen sich, wenn du mindestens einen zusätzlichen Tag einplanst. Kirkjufell ist ganzjährig erreichbar, Landmannalaugar nur im Sommer.

Kirkjufell auf Snæfellsnes

Kirkjufell ist ein freistehender Berg bei Grundarfjörður, der mit dem kleinen Wasserfall Kirkjufellsfoss im Vordergrund zu den meistfotografierten Motiven Islands zählt. Die Halbinsel Snæfellsnes wird oft als Island im Kleinformat bezeichnet, weil Lavafelder, Strände, ein Gletschervulkan und Fischerdörfer nah beieinander liegen. Für die Runde um die Halbinsel brauchst du einen vollen Tag ab Reykjavík.

Landmannalaugar im Hochland

Landmannalaugar ist ein Gebiet im Fjallabak-Naturreservat mit farbigen Rhyolithbergen, Lavafeldern und einer natürlichen heißen Quelle. Eine F-Straße ist eine Hochlandpiste, die nur mit Allradfahrzeugen befahren werden darf und meist erst ab Ende Juni öffnet. Flussdurchfahrten sind dort häufig, und die meisten Mietverträge decken Wasserschäden nicht ab. Wer kein Allradfahrzeug hat, erreicht Landmannalaugar im Sommer per Hochlandbus.

Wann ist die beste Reisezeit für Islands Natur?

Für die meisten Natur-Sehenswürdigkeiten ist die Zeit von Juni bis Anfang September am günstigsten, weil dann alle Straßen geöffnet sind und die Tage sehr lang sind. Im Winter sind Golden Circle, Südküste und Jökulsárlón weiterhin erreichbar, Hochland und manche Zufahrten im Norden dagegen nicht.

Der Winter hat eigene Vorteile: weniger Besucher, Eishöhlen im Vatnajökull und die Chance auf Polarlichter. Dafür musst du mit kurzen Tagen, Sturm und vereisten Wegen rechnen, Spikes für die Schuhe gehören dann ins Gepäck. Wie du Etappen realistisch planst, beschreibe ich in meinem Beitrag zur Island-Ringstraße mit Etappen und Fahrzeiten.

Wie besuchst du die Natur-Sehenswürdigkeiten sicher und respektvoll?

Sicher und respektvoll besuchst du Islands Natur, wenn du Absperrungen beachtest, auf markierten Wegen bleibst und vor jeder Fahrt Wetter und Straßen prüfst. Die Rettungsorganisation Slysavarnafélagið Landsbjörg veröffentlicht auf Safetravel.is aktuelle Warnungen und bietet an, einen Reiseplan zu hinterlegen.

  • Moos nicht betreten: Isländisches Moos wächst extrem langsam, Trittspuren bleiben über Jahre sichtbar.
  • Parkgebühren einplanen: An vielen Natur-Sehenswürdigkeiten ist der Eintritt frei, das Parken aber gebührenpflichtig und wird per Kennzeichenerfassung abgerechnet.
  • Nicht am Straßenrand halten: Plötzliches Bremsen für Fotos auf der einspurigen Ringstraße verursacht regelmäßig Unfälle.
  • Drohnenregeln prüfen: In Nationalparks wie Þingvellir und Vatnajökull ist das Fliegen nur eingeschränkt oder mit Genehmigung erlaubt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Tage braucht man für die wichtigsten Natur-Sehenswürdigkeiten in Island?

Für Golden Circle und Südküste bis Jökulsárlón reichen vier bis fünf Tage, wenn du im Süden übernachtest und nicht jeden Abend nach Reykjavík zurückfährst. Wer zusätzlich Mývatn, Dettifoss und Snæfellsnes sehen möchte, sollte zehn bis vierzehn Tage für eine vollständige Runde über die Ringstraße einplanen. Kürzere Reisen funktionieren besser, wenn du dich auf eine Region beschränkst.

Kosten die Natursehenswürdigkeiten in Island Eintritt?

Die meisten Natursehenswürdigkeiten in Island sind frei zugänglich, verlangen aber Parkgebühren. Das gilt unter anderem für Þingvellir, Seljalandsfoss und Skaftafell, wo die Gebühr meist per Kennzeichenerfassung oder App bezahlt wird. Eintritt im eigentlichen Sinn zahlst du vor allem bei privat betriebenen Orten wie dem Krater Kerið, bei Thermalbädern und bei geführten Touren wie Gletscherwanderungen oder Bootsfahrten auf der Lagune.

Welche Natur-Sehenswürdigkeiten in Island kann man im Winter besuchen?

Im Winter erreichbar sind Þingvellir, Geysir, Gullfoss, Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara, Skaftafell, Jökulsárlón und Kirkjufell, sofern Sturm oder Schnee die Straßen nicht sperren. Der Mývatn ist über Akureyri ebenfalls erreichbar. Landmannalaugar und andere Hochlandziele sind gesperrt, die Zufahrten zum Dettifoss werden oft nicht geräumt. Wege an Wasserfällen sind häufig vereist, Schuhspikes sind deshalb sinnvoll.

Braucht man für Islands Natur-Sehenswürdigkeiten einen Allradwagen?

Für Ringstraße, Golden Circle und Snæfellsnes genügt im Sommer ein normaler Mietwagen. Ein Allradfahrzeug ist Pflicht, sobald du F-Straßen ins Hochland befährst, etwa nach Landmannalaugar. Im Winter erhöht Allradantrieb zusammen mit guten Winterreifen die Sicherheit auf vereisten Abschnitten, ersetzt aber nicht den täglichen Blick auf Wetterbericht und Straßenzustand.

Fazit: Weniger Orte, mehr Zeit an jedem

Die zwölf Natur-Sehenswürdigkeiten in diesem Überblick decken die Vielfalt Islands ab: Plattengrenze, Geothermie, Wasserfälle, Gletscher, Vulkanlandschaft und Hochland. Wer sie nach Regionen bündelt, spart Fahrstunden und erlebt mehr. Meine Erfahrung: Zwei Orte am Tag mit ausreichend Zeit für einen kurzen Wanderweg bleiben stärker in Erinnerung als fünf Fotostopps. Leg dir jetzt deine Route an, markiere die Orte aus der Tabelle auf deiner Karte und plane für jede Region mindestens eine Übernachtung ein.