Wasserfälle auf Island: Lage, Zugang und Reisezeit

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Wasserfälle auf Island liegen vor allem an der Südküste, am Goldenen Kreis und im Norden entlang der Ringstraße. Die bekanntesten – Seljalandsfoss, Skógafoss, Gullfoss, Goðafoss und Dettifoss – erreichst du mit dem Mietwagen über asphaltierte Straßen. Am meisten Wasser führen sie im Sommer, wenn Schnee und Gletscher schmelzen; im Winter sind Wege oft vereist.

Wer zum ersten Mal plant, steht vor einem typischen Problem: Es gibt weit mehr Fälle, als in eine Reise passen, und die Fahrzeiten zwischen Süden, Westen und Norden werden leicht unterschätzt. Hinzu kommen gesperrte Pfade im Winter, Schotterpisten und Wetter, das sich innerhalb einer Stunde dreht. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten Wasserfälle nach Region, nennt Höhen und Zugangswege und zeigt, wann sich welcher Fall lohnt. Ich bin die Ringstraße mehrfach gefahren, im Juli ebenso wie im Februar, und beschreibe die Orte so, wie sie sich vor Ort tatsächlich anfühlen.

Warum gibt es so viele Wasserfälle auf Island?

Island hat so viele Wasserfälle, weil hohe Niederschläge, schmelzende Gletscher und ein junges, vulkanisch geprägtes Relief zusammenkommen. Das Wasser hatte erdgeschichtlich wenig Zeit, sich glatte Täler zu graben, und stürzt deshalb über Stufen und Klippen.

„Foss“ ist das isländische Wort für Wasserfall, weshalb fast alle Namen auf diese Silbe enden. Ein Gletscherfluss ist ein Fluss, der überwiegend aus Schmelzwasser einer Eiskappe gespeist wird und deshalb oft milchig-grau gefärbt ist. Große Eiskappen wie der Vatnajökull speisen solche Flüsse, und die stärksten Fälle des Landes hängen an ihnen.

Basalt ist ein dunkles Vulkangestein, das beim Erkalten von Lava entsteht und sich oft in harten, übereinanderliegenden Schichten ablagert. Über diese Schichten bilden sich Kanten, an denen das Wasser abbricht. An der Südküste fallen Seljalandsfoss und Skógafoss zudem über ehemalige Meeresklippen, die heute einige Kilometer im Landesinneren liegen.

Welche Wasserfälle auf Island lohnen sich wirklich?

Für eine erste Reise lohnen sich vor allem die Fälle an der Südküste, am Goldenen Kreis und im Norden, weil sie gut erreichbar und landschaftlich sehr verschieden sind. Eine ausführliche Bildstrecke findest du in meinem Beitrag über die schönsten Wasserfälle Islands.

Südküste: Seljalandsfoss, Gljúfrabúi und Skógafoss

Der Seljalandsfoss ist rund 60 Meter hoch und einer der wenigen Fälle, hinter die ein Pfad führt. Rechne mit Gischt: Ohne Regenjacke bist du nach zwei Minuten durchnässt. Wenige hundert Meter nördlich versteckt sich Gljúfrabúi in einer engen Felsspalte, die du über Steine im Bachbett betrittst – für mich der eindrucksvollere der beiden, weil man ihn erst im letzten Moment sieht.

Der Skógafoss liegt etwa eine halbe Stunde weiter östlich, ist ebenfalls rund 60 Meter hoch und etwa 25 Meter breit. Bei Sonne steht fast immer ein Regenbogen in der Gischt. Eine Metalltreppe führt auf die Kante, von dort beginnt der Wanderweg über den Fimmvörðuháls-Pass.

Goldener Kreis: Gullfoss

Der Goldene Kreis ist eine rund 230 Kilometer lange Rundroute östlich von Reykjavík, die Þingvellir, das Geysir-Gebiet und den Gullfoss verbindet. Laut Wikipedia stürzt die Hvítá am Gullfoss in zwei Stufen von 11 und 21 Metern in eine Schlucht und führt im Sommer durchschnittlich etwa 140 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, im Winter rund 80. Vom oberen Parkplatz hast du den Überblick, vom unteren Pfad spürst du die Wucht – bei Eis ist dieser untere Weg oft gesperrt.

Nordisland: Goðafoss und Dettifoss

Der Goðafoss liegt direkt an der Ringstraße östlich von Akureyri, ist etwa 12 Meter hoch und rund 30 Meter breit. Sein Name bedeutet „Wasserfall der Götter“ und geht auf die Überlieferung zurück, nach der um das Jahr 1000 heidnische Götterbilder hineingeworfen wurden, als Island das Christentum annahm.

Der Dettifoss am Fluss Jökulsá á Fjöllum ist der wuchtigste Fall des Landes. Laut Wikipedia ist er rund 100 Meter breit, 44 Meter hoch und führt im Mittel etwa 193 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Westseite erreichst du über die asphaltierte Straße 862, die Ostseite über die Schotterstraße 864, die meist nur im Sommer befahrbar ist.

Skaftafell: Svartifoss

Der Svartifoss im Vatnajökull-Nationalpark ist nur etwa 20 Meter hoch, fällt aber vor einer Wand aus sechseckigen Basaltsäulen herab. Der Weg vom Besucherzentrum Skaftafell steigt stetig an und dauert hin und zurück etwa anderthalb Stunden. Wer früh am Morgen startet, hat den Fall oft fast für sich.

Westen und Westfjorde: Hraunfossar, Glymur, Kirkjufellsfoss und Dynjandi

Hraunfossar ist eine rund 900 Meter lange Reihe kleiner Fälle, bei der klares Wasser direkt aus einem Lavafeld in den Fluss Hvítá sickert. Der Glymur im Hvalfjörður ist mit etwa 198 Metern einer der höchsten Fälle des Landes und nur über eine drei- bis vierstündige Wanderung mit Flussquerung erreichbar. Der kleine Kirkjufellsfoss auf der Halbinsel Snæfellsnes ist vor allem wegen des Bergs Kirkjufell im Hintergrund bekannt. In den Westfjorden fächert sich der Dynjandi über rund 100 Höhenmeter wie ein Brautschleier auf.

Hochlandrand: Háifoss

Der Háifoss stürzt rund 122 Meter in eine rote Schlucht und gehört damit zu den höchsten Fällen Islands. Die Zufahrt über die Schotterstraße 332 ist auf den letzten Kilometern holprig; ein Fahrzeug mit Allradantrieb macht die Fahrt deutlich entspannter.

Wasserfälle auf Island im Vergleich

Die folgende Tabelle fasst Region, ungefähre Fallhöhe und Zugang zusammen; die Höhen sind gerundete Angaben nach den jeweiligen Wikipedia-Einträgen.

Wasserfall Region Höhe (ca.) Zugang
Seljalandsfoss Südküste 60 m Ringstraße, Parkplatz direkt am Fall
Skógafoss Südküste 60 m Ringstraße, wenige Gehminuten
Gullfoss Goldener Kreis 32 m (zwei Stufen) Asphaltstraße, kurze Wege
Svartifoss Skaftafell 20 m Wanderung, ca. 1,5 Std. hin und zurück
Goðafoss Nordisland 12 m Ringstraße, kurze Wege
Dettifoss Nordisland 44 m Straße 862 (Asphalt) oder 864 (Schotter)
Háifoss Hochlandrand 122 m Schotterstraße 332
Glymur Hvalfjörður 198 m Wanderung, 3–4 Std.
Dynjandi Westfjorde 100 m Kurzer Anstieg vom Parkplatz

Wann ist die beste Reisezeit für Wasserfälle auf Island?

Die beste Reisezeit für Wasserfälle auf Island ist Juni bis August, weil die Flüsse dann am meisten Wasser führen und alle Zufahrten offen sind. Im Winter wirken die Fälle mit Eiszapfen und Schnee ganz anders, doch Wege sind rutschig und Tage kurz.

Im Juni geht die Sonne im Süden nur für wenige Stunden unter, sodass du die großen Fälle auch abends um 22 Uhr im weichen Licht und ohne Reisebusse sehen kannst. September und Oktober bringen Herbstfarben und erste Polarlichter, aber auch häufigere Sturmtiefs. Zwischen November und März solltest du Spikes für die Schuhe einpacken; am Gullfoss und am Seljalandsfoss habe ich im Februar mehr Menschen ausrutschen sehen als irgendwo sonst.

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Wie kommst du am besten zu den Wasserfällen?

Am flexibelsten erreichst du die Wasserfälle mit einem Mietwagen über die Ringstraße, die als Route 1 einmal rund um die Insel führt. Busausflüge ab Reykjavík decken den Goldenen Kreis und die Südküste ab, nicht aber den Norden oder die Westfjorde.

F-Straßen sind unbefestigte Hochlandpisten, die nur mit Allradfahrzeugen befahren werden dürfen und meist nur im Sommer geöffnet sind. Für die großen Fälle brauchst du sie nicht, wohl aber Geduld auf Schotterabschnitten wie der Straße 864 oder 332. Was du bei Versicherung, Fahrzeugklasse und Tankstellen beachten solltest, steht in meinen Mietwagentipps für die Ringstraße.

Wer möglichst viele Fälle in einer Woche sehen will, fährt die Ringstraße gegen den Uhrzeigersinn: erst Goldener Kreis und Südküste, dann Skaftafell, Ostfjorde und Norden. Eine Tagesplanung mit Fahrzeiten zeigt dir mein Leitfaden Island Rundreise in 7 Tagen planen.

Worauf musst du an Islands Wasserfällen achten?

An Islands Wasserfällen sind nasse Felsen, Gischt und Wind die größten Risiken, nicht der Fall selbst. Bleib hinter Absperrseilen, auch wenn andere darübersteigen, denn Kanten sind oft unterspült.

Regenhose und Regenjacke sind an Seljalandsfoss und Skógafoss keine Übertreibung, sondern Grundausstattung. Kameras und Handys solltest du in einer wasserdichten Hülle tragen, weil die Gischt bis zu den Parkplätzen weht. Drohnenflüge sind in Nationalparks wie Vatnajökull nur mit Genehmigung erlaubt.

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Vor jeder Etappe lohnt ein Blick auf Safetravel.is, die offizielle Sicherheitsseite des isländischen Rettungsverbands, die Warnungen zu Wetter, Straßen und Wegsperrungen bündelt. Dort kannst du auch deinen Reiseplan hinterlegen, was bei Wanderungen wie zum Glymur sinnvoll ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man auf Island hinter einen Wasserfall laufen?

Ja, am Seljalandsfoss an der Südküste führt ein Rundweg hinter den rund 60 Meter hohen Fall. Der Pfad ist nass und rutschig, wasserdichte Kleidung und Schuhe mit Profil sind deshalb sinnvoll. Im Winter wird der hintere Abschnitt wegen Eis häufig gesperrt. Wenige hundert Meter weiter liegt Gljúfrabúi, ein Wasserfall in einer engen Schlucht, die man über Steine im Bach betritt.

Kostet der Besuch von Wasserfällen auf Island Eintritt?

Eintritt verlangt keiner der bekannten Wasserfälle auf Island. An mehreren Standorten fallen jedoch Parkgebühren an, etwa am Seljalandsfoss und im Skaftafell-Gebiet des Vatnajökull-Nationalparks, von wo der Weg zum Svartifoss startet. Bezahlt wird meist per Kartenautomat oder App. Die Höhe der Gebühren ändert sich regelmäßig, deshalb lohnt ein Blick auf die Hinweisschilder vor Ort.

Welche Wasserfälle auf Island kann man im Winter besuchen?

Im Winter gut erreichbar sind Seljalandsfoss, Skógafoss und Gullfoss im Südwesten sowie Goðafoss im Norden, weil sie an geräumten Hauptstraßen liegen. Für den Dettifoss solltest du vorher den Straßenzustand der Zufahrt 862 prüfen. Háifoss und Glymur sind im Winter wegen Schotterpisten, Schnee und vereister Hangwege nicht empfehlenswert. Spikes für die Schuhe und eine Stirnlampe gehören bei kurzen Tagen ins Gepäck.

Wie viel Zeit braucht man für die Wasserfälle auf Island?

Für Gullfoss, Seljalandsfoss und Skógafoss reichen zwei Tage ab Reykjavík, weil alle drei am Goldenen Kreis und an der Südküste liegen. Wer zusätzlich Svartifoss, Goðafoss und Dettifoss sehen will, braucht eine Fahrt über die Ringstraße mit mindestens sieben Tagen. An jedem großen Fall solltest du 45 bis 90 Minuten einplanen, beim Glymur wegen der Wanderung eher einen halben Tag.

Fazit: So planst du deine Route zu den Wasserfällen

Die Wasserfälle auf Island lassen sich gut in drei Gruppen planen: Südküste und Goldener Kreis für den Einstieg, Skaftafell und der Norden für die Ringstraße, Westen und Westfjorde für Reisende mit mehr Zeit. Wer im Sommer fährt, sieht die Fälle mit voller Wasserführung; wer im Winter fährt, braucht Spikes, Geduld und einen flexiblen Plan. Lege dir jetzt fest, welche Region in deine Reise passt, und baue deine Route mit der Tabelle oben Etappe für Etappe auf.